Schweizer Startups fehlen die Spezialisten. Die restriktive Arbeitsmarktpolitik verschärft dieses Problem unnötig.

Insel Schweiz? {walthubis;http://www.flickr.com/photos/walthubis/4344228989/}Vier Arbeitsplätze weniger in der Schweiz: das ist das Fazit von connex.io angesichts der Kontingente für ausländische Arbeitskräfte. Marcus Kuhn und Ata Hezretkuliyev hätten gerne ihr Startup-Team komplett in Zürich aufgebaut, nachdem sie Anfangs 2010 die Idee zu connex.io hatten. Doch Marcus gelang es nicht, seinen turkmenischen Mitgründer in die Schweiz zu holen. Die nötige Arbeitsbewilligung zu bekommen war nicht realistisch.

Diese Erfährung zeigt, wie motivierten Unternehmern mit der aktuellen Drittstaatenregelung der Start erschwert wird. Diese sorgt laut Marcus dafür, dass es für Startups quasi unmöglich ist, Leute aus nicht-EU-Ländern in die Schweiz zu bringen. So entschlossen er und Ata sich, gleich komplett auf ein virtuelles Team zu setzen. Ata wechselte zuerst nach Dubai, und bald in die Ukraine. In beiden Ländern waren die behördlichen Hürden kleiner als hierzulande. Nun bauen die Gründer ihre Entwicklung im Ausland auf; mit den genannten Folgen für den hiesigen Standort.

Streit mit dem Amt

So eine Geschichte hat auch Moritz Zumbühl von Feinheit zu erzählen. Das Zürcher AWA wollte seinem zukünftigen Mitgründer, einem türkischen ETH-Doktoranden, keine Arbeitsbewilligung erteilen. Der Grund ist derselbe wie bei connex.io: Laut aktueller Regelung müssen Arbeitgeber den Behörden beweisen, dass sie die Stelle nicht mit jemand aus dem EWR oder der Schweiz besetzen können. Eine Herkulesaufgabe für ein Startup. Trotz intensiver, europaweiter Suche gelang das nicht und Moritz scheiterte an der Beweisführung gegenüber dem Amt für Wirtschaft und Arbeit. Mit gravierenden Folgen für sein Projekt: Er legte es auf Eis.

Dabei hatte er angesichts des behördlichen Hindernislaufs nicht etwa schnell klein bei gegeben: Um seinen Kollegen an Bord zu holen ging er vor Gericht. Nach 15 Monaten und «mehreren tausend Franken» Anwaltskosten bekam er die Absage. Moritz’ Fazit fiel entsprechend aus: «Für uns zeigt sich, dass es praktisch unmöglich ist, einen talentierten, nicht hier geborenen Programmierer anzustellen», sagte er vor ein paar Tagen dem TagesAnzeiger.

Simon hat hier auf Startwerk bereits 2010 auf das Kontingent-Problem hingewiesen. Schon damals zeigte sich, dass Startups landauf, landab damit zu kämpfen haben. So haderte in der Vergangenheit auch Dacuda mit den Schwierigkeiten, ausländische Talente ins Land zu holen.

Standortförderung vs. Protektionismus

Auch wer Glück gehabt hat und eine Aufenthaltsbewilligung erhält, wird laufend an seinen Aufnahmestatus erinnert. Ein Freund von mir, der an ETH doktoriert hat, arbeitet bei Google und merkt an den immer wieder zu verlängernden Aufenthaltsbewilligungen, wie schmal das rumänische Kontingent für B-Ausweise ist. Nur: Google und andere grosse Konzerne haben immerhin Mittel, um die Auseinandersetzung mit den Ämtern durchzustehen und ihre Interessen zu waren. Diese Ressourcen hat kaum ein Startup. Wieviele Unternehmen deshalb alljährlich ungegründet bleiben, darüber lässt sich nur spekulieren.

Es wird viel über Standortförderung geredet und diskutiert, wie sich die Anziehungskraft der Schweiz für innovative Startups erhöhen liesse. Die aktuellen Regelungen machen es den Unternehmen und den Arbeitnehmern aber bereits schwer, ihre Stellen zu besetzen. Dabei ist der Trend klar: Unternehmen zu gründen mit einem Team aus verschiedenen Nationalitäten ist nicht nur im Umfeld von international orientierten Hochschulen zunehmend der Normalfall. Das gilt besonders, aber nicht länger nur für den High-Tech-Bereich. Indem man diese Entwicklung künstlich mit Kontingenten zu bremsen versucht, werden angehenden Startups Steine in den Weg gelegt. Wenn sich Schweizer Standorte zu echten Startup-Hubs entwickeln wollen, dann muss sich hier etwas bewegen.

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