Wie wird man ein guter Chef im eigenen Startup? Ein weiterer Teil unserer HR-Serie für Jungunternehmen.

Je simpler desto besser.Vor kurzem habe ich darüber geschrieben, warum es sich für Bewerber lohnt, bei einem Startup anzufangen – und wie Du als Startup Deinen Bewerbern einen schönen Arbeitsplatz bietest und dann noch mit dem Zombie-Test die richtigen Bewerber findest. Falls Du aber nicht nur Bewerber suchst, sondern Mitgründer – auch dafür gab es Tipps. Bleibt eigentlich nur noch, Dir als Gründer Tipps zu geben, wie Du Dich als neuer Chef benehmen solltest, damit alle Deine Mitarbeiter und Mitgründer glücklich sind!

Genau darüber hat Bob Sutton für den Harvard Business Review gebloggt (12 Things good Bosses believe). Sutton schreibt darüber, was gute Bosse außergewöhnlich gut macht und belegt seine Erkenntnisse auch mit Zahlen und Fakten. Im September 2010 erschien sein Buch Good Boss, Bad Boss (Affiliate-Link). Sutton vertritt die Auffassung, dass es keine Liste von Aktivitäten gibt, die einen schlechten Chef in einen guten verwandelt. Es kommt mehr auf die geistige Einstellung an, und Sutton fand heraus, dass die geistige Einstellung eines guten Chefs durch folgende Punkte sehr gut beschrieben wird:

Kleine, einfache Dinge sind wichtig

Der Erfolg von Chef und vom Team hängt in großem Masse von der Bewältigung einfacher und offensichtlicher Dinge ab, und nicht von irgendwelchen obskuren Sonderlichkeiten oder Methoden. Es geht darum, die einfachen Dinge hinzubekommen und dem Team und allen seinen Mitgliedern jeden Tag zu ermöglichen, besser zu werden. Gute und ambitiöse Ziele sind wichtig, aber man sollte nicht zuviel darüber nachdenken, so Sutton. Zerlege Ziele in kleine Schritte, mit denen Du und das Team sie erreichen wollt – und sorgt dafür, jeden Tag einen Schritt aufs Ziel zu gehen.

Es geht insbesondere darum, dass Du als Chef dafür sorgst, dass Deine Mitarbeiter in den acht Stunden ihrer Anwesenheit so effektiv wie möglich arbeiten. Es geht nicht darum, dafür zu sorgen, dass sie 12 oder 14 Stunden am Tag im Unternehmen sind – denn wir alle ermüden nach acht Stunden deutlich, machen Fehler und werden langsam. Erschöpfung und damit verbundener Stress verringern sogar den IQ. Die Aufgabe eines Chefs ist also, als Abwehrschild vor zuviel Aufgaben und Ablenkung zu fungieren, und auch Idiotie zu verbieten.

Bescheidenheit ist eine Tugend

Sutton sagt, ein guter Chef (aber auch ein guter Mitarbeiter) sollen diskutieren und stets ihren Standpunkt vertreten, als ob sie im Recht seien. Gleichzeitig sollen sie aber  jederzeit bereit sein, ihre Meinung anzupassen. Du als Chef musst einen Mittelweg einschlagen, bei dem Du genug Zuversicht ausstrahlst, um als Chef und Entscheider ernst genommen zu werden, aber bescheiden genug bist (und wahrgenommen wirst), um zu verstehen, dass Du oft falsch liegst. Nutze Deine Macht nicht sinnlos aus, und achte darauf, dass Du nicht bossy wirkst. Stell Dir immer vor, wie es sein würde, wenn Du Deine eigene Angestellte wärst – würdest Du Dich dabei gut fühlen?

Was machst Du, wenn etwas schief läuft?

Der wichtigste Moment in der Arbeit als Chef ist der, wenn etwas schief läuft. Da beobachten Dich alle Mitarbeiter und lernen von Deinem Verhalten. Dein Fokus sollte auf der Ursache liegen: was kannst Du und das Team aus dem Fehler lernen, um ihn künftig nie wieder zu begehen? (Tipp: den schuldigen Mitarbeiter feuern löst das Problem nicht). Bist Du als Chef in diesem Moment daran interessiert, den Schuldigen zu finden – oder daran, das Problem zu verstehen, um es künftig systemisch zu vermeiden? Die Mitarbeiter beobachten Dich in diesem Moment sehr genau!

Wie Du mit Ideen umgehen solltest

Deine Aufgabe als Chef ist darüber hinaus, Ideen zu fördern und dafür zu sorgen, dass Deine Mitarbeiter neue Ideen entwickeln. Dies gelingt Dir, wenn Du Ideen und die Ideengeber lobst, Kritik an neuen Ideen unterbindest und selber vermeidest. Darüber hinaus bist Du dafür verantwortlich, die Ideen weiter zu entwickeln (oder entwickeln zu lassen) und dann die schlechten auszusortieren – und übrigens viele von den guten auch, da ihr nicht alle umsetzen könnt. Bei einigen Ideen musst Du aber dafür sorgen, dass sie umgesetzt werden. Benenne einen Verantwortlichen (am besten die Ideengeberin), beschaffe ihr die nötigen Ressourcen und beteilige sie am Erfolg ihrer Ideen. Nur wenn Deine Mitarbeiter sehen, dass einige Ideen erfolgreich implementiert werden, entwickeln sie weiterhin welche.

Ein wichtiger Tipp von Sutton am Ende: Das Schlechte scheint stärker zu sein als das Gute. Also ist es wichtiger für Dich als Chef, Negatives zu eliminieren als Gutes hervorzuheben.

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(Bild: zaxl4, CC-Lizenz, BY-SA 2.0)